Corona und die Kirche – 11 Wahrnehmungen

Wir alle bewegen im Moment herausfordernde, aber auch spannende Fragen in Bezug auf Corona und die Kirche. Als Leiterschaft haben wir in den letzten Monaten versucht, Trends wahrzunehmen und daraus Erkenntnisse und Konsequenzen für die Gemeindearbeit zu ziehen. Müssten wir die Krise in einem Satz zusammenfassen, würden wir sagen: Gott hat Corona zugelassen, es ist ein Ruf in die Gemeinschaft mit IHM. Als Gemeinde wollen wir uns ernsthaft IHM zuwenden und uns dafür öffnen, was er in den kommenden Monaten für und durch die Gemeinde Jesu sagen möchte. In den folgenden 11 Wahrnehmungen möchten wir versuchen, wie wir als Kirche richtig auf die Veränderungen im Zusammenhang mit Covid-19 reagieren und hoffnungsvoll in die Zukunft gehen können.

Die unten aufgeführten Wahrnehmungen können auch zusammengefasst als PDF heruntergeladen werden.

Wahrnehmung Nr. 1:
Hauptsache der Mensch ist gesund! Der Tod wird in diesem Zusammenhang verdrängt, obwohl er nicht verdrängt werden kann.

 

Corona hat unsere Gesellschaft in Bezug auf Pandemien sensibilisiert und verändert. Während die ältere Generation noch den kalten Krieg erlebte, müssen wir uns fragen: werden wir mit «kalten Pandemien» leben müssen? Aktuell beobachten wir, wie die Gesundheitsindustrie überragend gross wird. Wir denken, dass durch die Coronakrise auch die Krise der Kirche grösser wurde. Menschen suchen Heilung und Rettung in der Gesundheitsindustrie. Sie setzen ihre Hoffnung einseitig auf ein Medikament oder eine Impfung. Die Kernanliegen der Gemeinde (Rettung, Hoffnung, Heil usw.) sind also weiter in den säkularen Bereich abgewandert. Ist nicht die Suche nach dem Impfstoff eine Metapher dafür, dass man das Heil von einem anderen Ort erwartet als von Jesus? Wir möchten damit nicht unnötige Gegensätze schüren. Ein Denken in Gegensätzen erachten wir hier als wenig sinnvoll. Es braucht Glaube und Staat, Glaube und Forschung. Doch die Kirche scheint aktuell viel Glaubwürdigkeit verloren zu haben. Ob die Kirche im Rückblick auf die erste Corona-Welle als gesellschaftsrelevant betrachtet werden kann – das scheint zumindest fragwürdig.

Erkenntnisse und Schlüsse daraus für GPMC:
Es war nie einfacher, mit den Menschen über den Tod zu sprechen als jetzt. Beinahe in jeder Begegnung wird Corona / Schutzmaßnahmen erwähnt oder angesprochen. Wir wollen als GPMC Thun hoffnungsvoll kommunizieren und in persönlichen Gesprächen die Fragen des Todes und der Auferstehung ansprechen. Unsere Worte sollen «Hoffnungsgärten» kreieren und ein Bild der Zukunft malen. Wir wollen Hoffnungskommunikation leben. Wir sind als Christen von einer Hoffnung auf ein ewiges Leben getrieben. Uns wurde klar: Wir brauchen intern neu eine klare Lehre über Hoffnung, Tod und Auferstehung.

Wahrnehmung Nr. 2:
Die Trennung zwischen jungen und alten Menschen verstärkt sich.

 

Corona scheint für ältere Menschen gefährlicher zu sein als für junge Menschen. Das politische Gewicht der älteren Generation in der westlichen Welt ist aufgrund der Überalterung der Gesellschaft so stark wie noch nie zuvor in der Geschichte. Politiker sind aktuell bereit, einen hohen Preis für Senioren zu bezahlen. Der politische Wert von Senioren ist stark und wird tendenziell noch steigen. Corona wird aus unserer Sicht die Spannung zwischen jungen und älteren Menschen in unserer Gesellschaft verstärken. Wir erwarten in den nächsten Wochen / Monaten in verschiedenen Ländern wütende junge Menschen, welche die Massnahmen der Regierung nicht mehr mittragen werden.

Erkenntnisse und Schlüsse daraus für GPMC:
Als GPMC erachten wir es weiterhin als unseren Auftrag, Generationen zu „einen“. Der Leib Christi besteht aus Alten und Jungen! Diese Einheit wollen wir weiter fördern. Wir wollen nicht der alten Generation hörig sein, ihr aber mit grösster Wertschätzung und Ehre begegnen und das Miteinander verstärken (z.B. im Gebet, in Worten, in Taten). Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass die ältere Generation den jüngeren Menschen auch in der Krise wichtige Freiräume schaffen muss. Wir glauben, dass Jugendprogramm und Orte der Begegnung für junge Menschen wichtig sind. Diese Orte der Begegnung wollen wir weiterhin fördern.

Wahrnehmung Nr. 3:
Wir wurden im Westen eine Null-Risiko-Gesellschaft.

 

Die westliche Welt ist sich nicht mehr gewohnt, bewusst mit Gefahren zu leben. Diese Null-Risiko-Gesellschaft führt dazu, dass wir Gefahren mit Angst begegnen. Wir wollen mit aller Kraft das Risiko vermeiden und tun alles dafür, damit wir eine Situation vermeintlich unter Kontrolle bringen. Die Kirche hat sich in der Kirchengeschichte in erwecklichen Epochen immer durch eine Nähe zu den Bedürftigen ausgezeichnet. Die bedingungslose Nähe zu den Menschen war ein Kennzeichen für gelebte Kirche. Während Corona ist dies ansatzweise ersichtlich, aber nicht stark genug. Vielmehr hat sich die Kirche neben lokalen «Hoffnungsgärten» (wir sahen verheissungsvolle Ansätze von lokalen Nachbarschaftsprojekten) stark ins Digitale zurückgezogen. Wir wurden bereit, auf physische Beziehungen zu verzichten. Eine grosse Erfahrung für uns als Leiterschaft war Folgende: Es gibt durchaus eine digitale Nähe. Dies konnten wir speziell im Bless2n beobachten. Am letzten Bless2n haben sich durch digitale Kanäle über 60 Leute für Gebet und Seelsorge gemeldet. Oder anders gesagt: via digitale Kanäle entstehen physische Kontakte.

Erkenntnisse und Schlüsse daraus für GPMC:
Hier öffnet sich für uns als Kirche die Frage: wo liegt unsere eigene Risikobereitschaft, speziell in Bezug auf das Evangelium? Wir können es uns nicht leisten, aus einer Null-Risiko-Mentalität die physische Nähe zu Bedürftigen aufzugeben. Wir müssen das Risiko bewusst eingehen, den Nöten der Menschen zu begegnen. Einerseits kann dies durch digitale Nähe geschehen, andererseits aber auch durch physische Nähe. Der kirchliche Auftrag lebt von Nähe zu den Menschen. Für die Zukunft sehen wir eine Chance darin, durch digitale Nähe persönliche Kontakte aufzubauen (durch das Digitale ins Persönliche).

Wahrnehmung Nr. 4:
Corona hat die Digitalisierung der Kirche und der Gesellschaft vorangetrieben.

 

Die Kirche ist auf einen Schlag in der Digitalisierung angekommen, obwohl sie an vielen Stellen noch nicht darauf vorbereitet war. Ist es Innovation – oder doch eher Reaktion? Corona hat die digitale Gesellschaft beschleunigt: Homeoffice ist möglich, Homeshopping beliebt, Home-Entertainment wird gefördert (Netflix, Sky Show und Co.), die Kirche kommt digital in die Häuser. Doch ist dies gelebte Kirche? Gottesdienste, Kasualien (Taufe, Abendmahl usw.), Singen, Schweigen – es findet in der Anonymität der Häuser statt. Man ist dem Gottesdienst nicht mehr ausgeliefert. Sicher hat der digitale Bereich «analoge Probleme» beschleunigt. Wer früher einen Gottesdienst «live» von Anfang an bis zum Schluss mitgemacht hat – der schaltet einfach in einem digitalen Gottesdienst das Gerät aus! Die Toleranzschwelle gegenüber dem Unvollkommenen im Gottesdienst wird nochmals kleiner. Aber: Nicht der Kunde ist König – sondern der Herr ist König! Wir müssen als Kirche lernen, theologisch in Bezug auf die Digitalisierung sprachfähig zu werden und die digitalen Möglichkeiten richtig in den Kontext der Kirche zu setzen. Wie legen wir urbiblische Handlungen wie das Abendmahl und das gemeinsame Essen richtig aus? Wie wird christliche Gemeinschaft in digitalen Elementen in der Welt sichtbar? Es muss eine Verdichtung stattfinden von physischen Treffen, verbunden mit digitalen Elementen.

Erkenntnisse und Schlüsse daraus für GPMC:
Kirche wird und muss hybrid (physische Treffen verbunden mit digitalen, anonymeren Möglichkeiten) werden. Die Grenzen müssen wir durchlässig gestalten. Es muss eine Verdichtung stattfinden von physischen Treffen, verbunden mit digitalen Elementen. Nicht digitaler Konsum bildet Christus in der Welt ab – sondern gelebte Gemeinschaft. Gleichzeitig müssen wir aber fruchtbare, hybride Systeme aufbauen, welche integrativ in die Gemeinde arbeiten! Wir werden somit unsere Gottesdienste bewusst hybrid und evangelistisch gestalten. Unsere Kommunikation müssen wir als Leiterschaft auch digital verbessern und Möglichkeiten gezielter nutzen. Während Corona werden wir daher bewusst die Gottesdienste auf Hochdeutsch gestalten, um damit den digitalen Wirkungskreis zu erweitern.

Wahrnehmung Nr. 5:
Corona lehrt uns, mit Grenzen zu leben.

 

Die Krise setzt uns Grenzen. Materiell, physisch und psychisch. Die Einsamkeit hat zugenommen. Geschäftsleute stehen unter grossem Druck. Menschen sind verunsichert. Landesgrenzen wurden geschlossen. Diese Erfahrung ist speziell für junge Menschen neu! Unser Lebensraum hat sich eingeschränkt. In diesem Zusammenhang beobachten wir, dass sich die Gesellschaft stärker Richtung Populismus und den Neonationalismus entwickelt. Nicht zuletzt ausgelöst und gefördert durch die Digitalisierung (wir werden von den Medien überflutet mit Nachrichten). Nationale Grenzen werden stärker, starke Politiker populärer.

Erkenntnisse und Schlüsse daraus für GPMC:
Der Glaube wird aktuell nicht mehr lokal, sondern ultralokal (im kleinsten Rahmen) gelebt. Unser Lebensraum schränkt sich auf einen Wohnblock ein, auf die Arbeitsstelle, auf eine Quartierstrasse. Hier sehen wir eine grosse Chance: als GPMC werden wir weiterhin ultralokal handeln (Grooves + Communities, Nachbarschaftshilfen usw.), ohne dabei das grössere Bild des Leibes aus den Augen zu verlieren. Unsere Strategie der Communities (7 neue Communities bis Ende 2022) werden wir verstärkt verfolgen. Huddle, Livegrooves und Quartierprojekte werden wir weiter fördern. Zudem suchen wir verstärkt kreative, ultralokale Begegnungsmöglichkeiten (bsp. Besuchsdienste, Quartierprojekte).

Wahrnehmung Nr. 6:
Corona verstärkt die Individualisierung und den Konsum.

 

Wir leben aktuell in einer Art «Ersatzwelt». Der eigene Kosmos wird dabei verstärkt. Der Konsum und die Individualisierung nehmen zu. Diese Auswirkung erkennen wir auch in Bezug auf die Kirche. Der individuelle Konsum von geistlichen Diensten nimmt zu, ohne dass dafür ein Preis bezahlt wird. Auch die Mitarbeit in der Kirche wird neu definiert werden in der Zeit nach Corona! Der geistliche Selbstkonsum nimmt zu, die gemeinsame Verbindlichkeit weiter ab. Die Kirche hat den Auftrag der Sendung während Corona zu wenig wahrgenommen. Dieser Auftrag geht an den Leib, an die Gemeinde. Gott hat nicht 12 individuelle Apostel berufen, sondern er hat 12 Apostel berufen, damit sie seine Gemeinde bauen. Zusammen müssen wir uns verstärkt dem Auftrag Gottes annehmen. Wir wollen uns als Gemeinde nicht nur fragen: Wo erhalte ich meine geistliche Nahrung – sondern: «Was ist der Auftrag unserer Kirche»?

Erkenntnisse und Schlüsse daraus für GPMC:
Gott hat uns nicht zu Konsumenten, sondern zu Akteuren berufen. Corona hat gezeigt, dass das «In» und «Up» in GPMC durch den Livegroove (kleine Gruppen) funktioniert. Das «Out» war schwieriger. Wir werden die nächsten Monate nutzen, um gerade in der Krise den gemeinsamen Auftrag zu stärken. Denn: Die Konsumhaltung führt nicht nur im «Out» zu einem Verlust, sondern auch im «In“ und „Up“.

Wahrnehmung Nr. 7:
Die prophetische Stimme der Kirche ist verstummt.

 

Konzepte und nachhaltige, prophetische Stimmen aus der Kirche blieben in den ersten Monaten der Krise rar. Viele Pastoren und Leiter liessen sich dazu hinreissen, beim ersten Corona-Ausbruch in einen Aktivismus zu verfallen. Doch die Worte sind längst verhallt. Das prophetische und theologische Wort fehlt zu stark. Corona hat in gewisser Weise eine theologische Deutungskrise offenbart. Anstelle von schlüssigen Deutungen haben sich viele Leiter dazu hinreissen lassen, die Logik der eigenen Verkündigung und Deutung zu stark zu betonen. Die prophetische Stimme der Kirche ist an vielen Orten verstummt. Gerade dieser Gegenpol zu Regierung und Staat war bereits im AT eine wichtige Stimme. Kirche verstand sich immer auch als Gegenpol oder moralisches Gewissen zu einer Regierung. Doch die prophetische-gesellschaftskritische (oder gesellschaftsrelevante) Stimme der Kirche blieb weitgehend stumm. Gebetsbewegungen (z.B. Gebet für die Schweiz) wurden mobilisiert, wurden aber von den lokalen Kirchen an vielen Orten nicht aufgenommen. Die lokale Kirche hat zu wenig zum Gebet aufgerufen und zu wenig gemeinsam gebetet. Das Gebet wird ein Zugang sein, um zu einer prophetischen, gesellschaftsrelevanten Stimme zu werden.

Erkenntnisse und Schlüsse daraus für GPMC:
Jahrelang wurde das persönliche Hören auf Gott (jeder kann prophetisch reden) gefördert. Dies hat zu einer Flut an Bildern und Eindrücken geführt, speziell zu Beginn der Krise. Dabei haben wir aber den grossen prophetischen Blick verloren. Wir müssen als Bewegung zurück zur einer „gesellschafts-prophetischen Stimme“. Hier erachten wir das Gebet und gezielte Gebetsmomente als wichtigen Auftrag. Als Leiterschaft müssen wir die Frage klären: Wie lange tragen wir die Beschränkungen der Versammlungsverbote in der Schweiz mit? Hier müssen wir zwischen folgenden biblischen Aufträgen weise vorgehen: Einerseits sind wir dem Gehorsam gegenüber Gott mehr verpflichtet als dem Gehorsam gegenüber Menschen. Andererseits ruft uns die Bibel zum Gehorsam gegenüber dem Staat auf. Diesen Dialog müssen wir führen.

Wahrnehmung Nr. 8:
Die Zahl trat an Stelle der Empathie. Corona ist in gewisser Weise eine Krise der Zahl. Dies geht aber zu Lasten der Empathie.

 

Die reine Zahl nahm uns in gewisser Weise die Empathie. Anstatt über eine einzelne Person zu trauern wurde diese Trauer ins Verhältnis der Zahl gesetzt. Das Evangelium legt uns aber nicht eine Brille der Statistik auf – sondern der Barmherzigkeit. Die Kirche hat bisher öffentlich nicht zur Trauer aufgerufen. Trotz hunderttausenden von Toten hat man sich diesbezüglich wenig geäussert. Momente der Trauer wurden sofort mit folgenden Worten mundtot gemacht: Eine normale Grippe fordert auch hunderttausende von Toten (was als Zahl natürlich durchaus eine richtige Aussage sein kann). Dabei haben wir aus dem Blick verloren, dass jeder Tote einer zu viel ist. Speziell wenn diese Menschen ohne Hoffnung auf die Ewigkeit gestorben sind.

Erkenntnisse und Schlüsse daraus für GPMC:
Wir leben als Gemeinde für eine verlorene Welt! Jeder Tote ist eine Person zu viel! Der Grundgedanke der Kirche hat sich durch Corona aber nicht verändert und bleibt gleich: Jesus ist gestorben und auferstanden. Wer an ihn glaubt, wird gerettet. Statistiken und Zahlen dürfen Empathie und Barmherzigkeit gegenüber Einzelschicksalen nicht verdrängen. Als Gemeinde wollen wir an Anlässen bewusst Menschen ein Gesicht geben (bspw. durch Interviews). Gelebtes und verkündigtes Reich Gottes wendet sich immer dem Menschen zu.

Wahrnehmung Nr. 9:
Übergeordnete Stellen verlieren an Bedeutung und somit auch das „grosse Bild“ der Kirche.

 

Eine entscheidende Wahrnehmung für uns als Leiterschaft war: Christen fühlten sich durch ehrenamtliche Mitarbeiter stärker unterstützt als durch übergeordnete Stellen. Die Bedeutung von christlichen Leitungen, Bewegungen und Verbänden hat eher abgenommen. Die Identifikation passiert im kleinen Rahmen. Das Gewicht hat sich in die kleinste Zelle verlagert (Kernfamilie, wenig Kontakte in Kleingruppen, Ultralokalität). Somit geht aber auch der übergeordnete Auftrag der Gemeinde verloren. Identifikation findet stark nur noch über das Ultralokale statt. Der Fokus von Jesus war jedoch immer Jüngerschaft und Weltmission! Im grossen Auftrag (Matthäus Kapitel 28) mahnt uns die Bibel zur Sicht auf den Einzelnen (Jüngerschaft). Der Einzelne (Jüngerschaft) wird ermahnt, das grosse Bild der Mission Gottes im Auge zu behalten (Weltmission). Diesen inneren Zusammenhang von Mission und Jüngerschaft darf die Kirche nicht verlieren. Kirche ist Leib, jeder hat darin seine Bestimmung und Aufgabe. Kirche findet um Kleinen statt, beinhaltet aber auch den gemeinsamen, grösseren Auftrag. Diesen Auftrag müssen wir gemeinsam tragen.

Erkenntnisse und Schlüsse daraus für GPMC:
Wir stärken als GPMC weiterhin Grooves und Communities. Gemeinde ist aber gemäss biblischem Verständnis ein Leib. Als Leiter auf allen Ebenen setzen wir uns für den Auftrag im Kleinen ein (Ultralokalität), sehen aber auch das grössere Bild, welches wir nur gemeinsam tragen können. Wir wollen das Sozialwerk, die Weltmission, das BlessThun, G-Movement und andere grössere Aufträge auch weiterhin zusammen umsetzen. Zentral und dezentral bleibt für uns wichtig. Der ganze Auftrag von GPMC soll verstärkt in der Mitte unseres Handelns stehen.

Wahrnehmung Nr. 10:
Klagen muss neu gelernt werden!

 

Speziell die charismatisch-evangelikale Szene hat es verlernt, zu «klagen». In unseren Kirchen wird das Klagen eher als ungläubiges «Jammern» betrachtet. Doch gerade die Bibel, speziell die Psalmen und Klagelieder lehren uns: Klagen über die Nöte des Lebens führen den Menschen zum Lob. Aus dem Kyrie entsteht das Gloria. Wir werden in den nächsten Wochen vermehrt Klagen hören. Leute sind Corona-Müde. Geschäftsleute leiden. Menschen sind in Beziehungen herausgefordert. Wir müssen eine Art «Kultur des Klagens» entwickeln und zulassen! Die Kirche muss der Ort werden, wo gemeinsames Klagen und Weinen stattfinden soll. Wir erkennen, wie wir dieses Feld auch dem Staat preisgaben. Menschen erwarten in ihren existenziellen Nöten nicht mehr Hilfe von der Kirche, sondern vom Staat. Doch Corona führt ganze Länder in grösste Not, nicht nur Menschen in der Schweiz. In Indien werden junge Menschen verkauft, um eine Familie zu ernähren. Menschen verlieren speziell in Afrika und in Asien alles.

Erkenntnisse und Schlüsse daraus für GPMC:
Als Leitung wünschen wir die Schaffung eines Solidaritäts-Fonds. Wir werden darüber mit dem C-Team sprechen. Wir wollen betroffenen Menschen auf einfache Art und Weise Hilfe anbieten. Psalmen und Klagelieder sollen in unserer Anbetung wieder Platz haben.

Wahrnehmung Nr. 11:
Corona wurde zu einer Glaubensfrage und trennt Menschen.

 

Die Thematik Corona hat Potential zur Trennung und Spaltung. Menschen werden voneinander getrennt (z.B. Besuche im Altersheim sind eingeschränkt und führen zu grosser Einsamkeit). Unterschiedliche Ansichten zur Thematik Corona haben spalterisches Potential. Diese Spaltungen erkennen wir in Familien, im Freundeskreis, in der Gesellschaft, in der Kirche. Die Thematik Corona kann gewissermassen zu einer Glaubensfrage werden und so trennend wirken. Die eigene Wahrnehmung kann dabei als alleingültige Wahrheit betrachtet werden und somit Druck auf andere Menschen ausüben. Als Christen finden wir uns aber letztendlich im Liebesgebot (liebe deinen Nächsten wie dich selbst). Gemäss unserem Verständnis müssen wir als Christen dem Frieden nachjagen, die Einheit suchen. Grosszügigkeit muss sich auch im Akzeptieren von unterschiedlichen Meinungen ausdrücken. Wir haben als Christen einen Friedens-Stifter-Auftrag. Wir nehmen aktuell eine Verhärtung in der Diskussion wahr, was trennend wirken kann. Vielmehr sehen wir aber in dieser Krise den Ruf von Gott zur Einheit in der Gemeinde. Corona ist eine Einladung, uns mit Christen zu verbünden, die Jesus nachfolgen. Das gemeinsame Bekenntnis zu Christus eint.

Erkenntnisse und Schlüsse daraus für GPMC:
Einheit ist in der Krise eine entscheidende Antwort, wie wir in die Zukunft gehen können. Einheit hilft, Krisen zu lösen und ein Bild der gemeinsamen Zukunft zu malen. Wir wollen als Kirche über Einheit sprechen. Nähe zu Gott schafft Verständnis zum anderen Menschen. Unser Ziel als GPMC ist Frieden und Versöhnung. Wir verfolgen ein höheres Ziel, als die eigene Meinung durchzusetzen. Wir erkennen im Gebet einen Schlüssel, der uns «eint». Als Gemeinde wollen wir eine gesunde Dialogkultur fördern, welche im gegenseitigen Respekt endet. Meinungsbildung ist uns als Gemeinde wichtig. Gebet für Menschen, Gebet für die Regierung. Wir wollen uns weiterhin für regionale Projekte mit anderen Gemeinden einsetzen.